Tankstelle

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Tankstelle

Wegen heftigem Schneetreiben hatte er in einer Tankstelle gewartet. Er brauchte Kaffee, weshalb er sich im Verkaufsraum der Tankstelle einen Becher miserablen Fertigkaffee einverleibte. Er war der Typ Mensch, der gerne an unwirtlichen Bistrotischen solcher Tankstellen lehnte und aus weißen Pappbechern schlechten Kaffee genoss.

Er beobachtete die Szenerie dieses Ortes, den er für interessant hielt. Was diesen Ort so interessant machte, konnte er nicht wirklich sagen, außer dem Umstand, dass er dort Menschen sah, die alle unterwegs waren nach irgendwo hin, genauso wie er und die wegen einem Zweck den unwirtlichen Raum betreten hatten, nämlich um an die Kasse zu treten und Benzin, das sie soeben getankt hatten, zu bezahlen. Das unterschied sie von ihm. Er hatte nur seinen Kaffee zu bezahlen.

Nach zehnminütigem Lehnen an diesem Bistrotisch und Beobachten des Tankstellenkassenraumes erschien in der gläsernen Eingangstüre ein Herr, der offenbar Gleiches im Schilde führte. Der Herr trat an den Kaffeeautomaten, der sich rechts vom Bistrotisch befand, warf einige Münzen ein, die klimpernd innerhalb des Automaten hinab stürzten und nahm unten aus einem Schlitz einen dampfenden Kaffeebecher heraus.
Der Herr gesellte sich zu ihm, wie sollte es anders sein, angesichts des Umstandes, dass der Verkaufsraum nur mit einem einzigen Bistotisch ausgestattet war.

In Konsequenz, die wohl daraus resultierte, dass sich nun neben ihm eine Person an den kleinen Bistrotisch gedrängt hatte, entstand das, was entstehen musste, weshalb er eigentlich nicht mit seinem Kaffeebecher an dem Bistrotisch gestanden war: Konversation.

Die Reifen seien „der wahre Traum“, gab ihm der Herr zu verstehen, während der auf einen Reifenstapel deutete, welcher vermutlich als Dekoration in der Mitte des Kassenraumes aufgestapelt lag, ihm jedoch bis zu dieser Sekunde nicht aufgefallen war. Er nickte dem Herren bestätigend zu, wenngleich er den zuvor von dem Herren geäußerten Ausführungen über die Breite der Reifen, deren Profilform, vor allem aber deren Befelgung, sowie der Extraausstattung dieser Felgen, nur bedingt folgen konnte.
Er hatte, das schien ihm in dieser Konversation immens wichtig, verstanden, dass ein gewichtiger Teil der Begeisterung des Herren für diesen Reifenstapel, nicht dem eigentlichen Stapel galt, sondern der Tatsache, dass der Herr offenbar genau diese Reifen mit genau diesen Felgen auf seinem Fahrzeug führte, das der vor der Tür abgestellt hatte.
So bestätigte er, dabei verständnisvoll nickend, die Ausführungen des Herren darüber, dass die Reifen erst ab einhundertachtzig Sachen voll zur Geltung kommen würden. Die Straßenlage seines Wagens, auf den der Herr durch die breite Glasfront hinaus deutete, wo er ein flaches, rennwagenähnliches Gefährt erkannte, wäre seitdem er diese Reifen montiert habe, vergleichbar einer jungen Dame, so verstand er die Ausführungen seines Gegenübers, die genau dann „komme“, wenn auch er dies tue.

Nun hatte er einige gedankliche Probleme damit, das von dem fremden Herren an diesem Bistrotisch soeben Geäußerte, in eine Kategorie des Verständnisses für derlei konstruierte vergleichende Zusammenhänge einzuordnen. Dennoch glaubte er dem Herren noch folgen zu können, was zwar nicht wirklich sein Interesse gewesen war, jedoch wegen des Gemeinsamen, das da zwischen ihnen beiden entstanden war, nämlich dem gemeinsamen Kaffeetrinken an diesem Bistrotisch, unvermeidlich geworden zu sein schien.

Da begab es sich, dass in dem Augenblick, als der Herr im Begriff stand, die „Straßenlage“ um weitere Details auszuschmücken, eine Dame den Kassenraum betreten hatte, um in geradezu selbstverständlicher Eile direkt an den Kaffeeautomaten rechts vom Bistrotisch heran zu treten. Sein Gesprächspartner, besser der sprechende Kaffeetrinker neben ihm, war schlagartig verstummt.

Wie sich schnell herausstellte, gesellte sich die Dame nicht aus gleichem Grund, wie zuvor der Herr an den Bistrotisch, sondern sie stand offenbar in näherem Verhältnis zu dem Herren.
Ob er denn die Sache „geregelt“ habe, fragte die Dame, nun am Bistotisch neben dem Herren stehend, in einem durchaus forsch wirkenden Ton. Der Herr, so schien es, hatte nun seine zuvor begonnene Konversation mit ihm, wenn nicht gar vergessen, so doch zumindest recht abrupt, zweifellos aber unausgesprochen als ungeschehen deklariert, denn er kam in keinem Wort gegenüber ihm darauf zurück. Der Herr wirkte auf ihn stattdessen beinahe eingeschüchtert. Er nickte der Dame brav wie ein Schulkind zu und meinte so etwas ähnliches wie, dass er „einen wichtigen Schritt voran“ gekommen sei.
Die Dame sah den Herren fragend an, der aber war offenbar zu keiner weiteren Aussage bereit. Sie kippte den Kaffee eilig hinunter und deutete, dabei mit den Wagenschlüsseln winkend, dem Herren, dass draußen alles zur Weiterfahrt bereit stünde. So verließen beide, dabei in seine Richtung nickend ihren Abschied andeutend, den hellen Kassenraum. Der Herr folgte draußen der Dame zu einem vor dem Fenster parkenden Kleinwagen.

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