Sparstrümpfe 2009 schon gestrickt?

Bernado Wenigstens Blog – Skurrilnarrisches aus dem Leben

Sparstrumpf

Gerne hätte ich hier geschrieben, dass dieser Begriff zum metaphorischen Sprachgebrauch gehört. Wenn ich jetzt mit einer hübschen Sparstrumpfmetapher aufwarten könnte, das wäre wohl aus intellektueller Sicht gesehen, sehr anspruchsvoll und interessant. Das kann ich Ihnen aber nicht bieten. Stattdessen beschränke ich mich darauf von meinem heimischen Sofa aus, den Sparstrumpf ein wenig zu beleuchten.

Tja das Sofa. Das wird in letzter Zeit immer mehr genutzt. Fast könnte ich sagen abgenutzt. Das hat neben der Gemütlichkeit auch mit dem Sparstrumpf zu tun. Denn das Sitzen auf dem Sofa spart jede Menge Geld. Die Zeit die ich mit meiner Frau dort verbringe, könnten wir beide ja auch anderen Ortes zubringen. Anderen Ortes wiederum wäre die Zeit wahrscheinlich teurer. Der andere Ort könnte ja zum Beispiel ein Kino oder ein Restaurant sein.
Das heimische Sofa ist also so ein Sparstrumpf. Das ist sogar ein durchaus produktiver Sparstrumpf. Es ist eine Werkstatt der Kreativität. Von dort lässt sich in den Computer schreiben, es lässt sich die Wäsche Bügeln, dabei muss man aber aufpassen, dass man das Bügelbrett passend auf Sitzhöhe stellt, damit man keine Rückenschmerzen bekommt. Es lassen sich auch Sparstümpfe stricken. Und es lassen sich interessante Gespräche führen.

Er: Was strickst Du denn da?
Sie: Nach was sieht es denn aus?
Er: Naja wenn ich das so genau betrachte, fällt mir ein Schal ein.
Sie: Fast richtig, aber leider nur fast.
Er: Aha.

Eine unmetaphorische Begriffsumschreibung für den Sparstrumpf: Wie man den anfertigt will ich nicht beschreiben, weil ich es nicht weiß. Aber man kann das leicht herausfinden indem man sich so eine typische Zeitung kauft, in der es eben um das Stricken geht. So was findet man manchmal beim Arzt im Wartezimmer. Da sieht man dann genau wie so ein Strumpf gestrickt wird. Übrigens ist das im Grunde eine ganz normale Sorte von Strumpf. Erst indem man so einen gestrickten Strumpf einfach Sparstrumpf nennt, macht man daraus wirklich einen Sparstrumpf.
Das reicht noch nicht ganz. Was fehlt ist das Gesparte. Das ist eben genau das, was der Mensch nicht ausgibt. Geld das zum Beispiel beim Sitzen auf dem Sofa entsteht. Allerdings nur dann, wenn dieses Geld auch ausgegeben hätte werden können.

Er: Da willst Du dann Dein eingespartes Haushaltsgeld rein tun?
Sie: Warum nicht?
Er: Öhm, tjo könnte man das nicht einfach auf der Bank lassen?
Sie: Nö da sieht man ja nicht, was man gespart hat.
Er: Aha.
Sie: Im Sparstrumpf kann man das sehen!
Er: Ahja.
Sie: Wenn man's regelmäßig rein tut und zählt.
Er: Aha.

Wenn man dann so einen Sparstrumpf fertig gestrickt hat, muss man also dafür sorgen den auch regelmäßig zu benutzen. Das heißt in diesem Fall, dass man den Strumpf anstatt ihn zu tragen füllen muss. Das ist jetzt der Kern der Sache. Das Füllen. Es geht nur wenn man was zum Füllen hat.

Er: Wo krieg'ste denn die Füllung her?
Sie: Gute Frage.
Er: Aha.
Sie: Mal was sparen halt.
Er: Achso.

Das Gute an so einem unmetaphorischen Sparstrumpf ist, dass es eben ein echter-, weil eben halt real existierender Sparstrumpf ist. Das eröffnet eine wesentlich breitere Nutzungsmöglichkeit als die metaphorische Variante. Man kann nämlich so einen echten, selbst gestrickten Sparstrumpf im Notfall auch wieder seinem ursprünglichen Zweck zuführen.

Er: Aber wenn Du nix zum Einsparen hast?
Sie: Ja mei!
Er: Was ist dann?
Sie: Eigentlich nix.
Er: Garnix?
Sie: Dann kann ich einen zweiten Strumpf dazu stricken.
Er: Ja?
Sie: Die zwei kann ich dann anziehen.
Er: Aha.

Im nächsten Jahr, so sagt meine Frau passiert uns das aber nicht. Da meint sie, können wir solche Sparstrümpfe bestimmt gebrauchen. Am besten jeder einen.

Er: Wie viele werden denn das?
Sie: Ja für jeden einen!
Er: Für mich auch?
Sie: Für wen denn sonst?
Er: Aha.

Jetzt hab ich am Computer auf dem Sofa endlich auch mal was kreatives zu Wege gebracht. Eine bunte Weihnachtsgrußkarte an Freunde und Verwandte mit drei Sparstrümpfen drauf.

Er: Der wird ja ganz schön lang, Dein Strumpf.
Sie: Das wird doch Dein Strumpf!
Er: Ach so meiner?
Sie: Freilich. In Deinen Lieblingsfarben.
Er: Ja stimmt genau! Wie lang wird er denn?
Sie: Weiß nicht, dass halt was rein passt.
Er: Aha.

Ich hab also bald einen Sparstrumpf. Einen einzigen nur. Der taugt dann tatsächlich zu nichts Anderem. Nach einer Metapher sieht der nicht aus.

Kommentare

„Sparstrumpf“ Nr.2

Meine Frau strickt wieder

Da war es wieder das vertraute leise klackern des Nadelspiels. Schon während meines Studiums begleitete es mich durch manches Seminar. Angehende Fachkräfte trainierten ihre Multitaskingfähigkeiten. Die einen weil sie versuchten, neben der Fertigung überdimensionierter Wollpullis, noch dem Professor zu folgen, und auch später noch zu entziffernde Notizen anzufertigen, die anderen weil sie sich nicht stören ließen.

Sie strickt. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, könnte man denken. Geburtstag steht vor der Tür. Obwohl, erst letzte Woche las sie mir aus der Zeitung vor, dass laut einer Umfrage, Socken das unbeliebteste Geschenk sind. Eigentlich halte ich warme Füße für eine prima Sache und gegen ein Paar selbstgestrickte Socken habe ich nichts einzuwenden. Im Gegenteil, ich würde mich freuen.

Nichts dergleichen, sie strickt einen Sparstrumpf, sagt sie. Sie habe die Nase voll von so genannten sicheren Geldanlagen, sie trage keinen Cent mehr auf die Bank. Sie sei sich sicher, dass Geld sinnvoll ausgegeben werden müsse oder in einen Sparstrumpf oder vielleicht doch unter eine Matratze gehöre. Banken seien evtl. noch dazu geeignet, nach den Nachrichten das Wetter zu präsentieren, meist schlechtes. „Unter’m Strich zähl ich“, „Leistung aus Leidenschaft“….zitiert sie deren Werbeslogans. Sie sei sich sicher, der gute alte Sparstrumpf komme wieder in Mode und könne vielleicht sogar noch eine ganz passable Geschäftsidee werden. Sie stricke nun mit derselben Leidenschaft, mit der die Banken an der Börse zocken.

Ich verfolge das Entstehen des Strumpfes zunächst nicht weiter. Nach ein paar Tagen jedoch ist es unübersehbar, es entstehen keine Strümpfe, sondern kleine Mützen!? Keine Lust mehr auf ’nen Sparstrumpf, sagt sie. Gegen die soziale Kälte hier im Land lässt sich sowieso nicht anstricken. Als Geschäftsidee kommt der Sparstrumpf leider nicht in Frage, wird im Internet schon angeboten, Pech.

Aber sie sei nun auf eine interessante Aktion gestoßen, die sie gerne unterstützen wolle. Die Aktion „Eine Mütze voll Leben“.

(www.savethechildren.de)

In der dritten Welt sterben viel Neugeborene, weil sie mangels Kopfbedeckung auskühlen. Nun stricken in ganz Deutschland Frauen kleine Mützchen, um neuen Erdenbürgern in ärmsten Ländern, eine kleine Starthilfe zu geben.
Meine Frau aber hat ein großes Herz, wenn ich sie bitte, strickt sie mir auch noch ein Paar wunderschöne Socken zum Geburtstag, denn ich steh’ auf warme Füße.

Sparstrumpf

Hallo Bernado,

vielleicht gibt es den Sparstrumpf doch im metaphorischen Sprachgebrauch? Keine Ahnung, auch ich habe geforscht aber nichts gefunden.
Falls jemand was weiß, bitte Info dazu.
Habe aber zumindest mal eine Schneiderin gefunden, die sich der Sache offenbar angenommen hat.
http://www.hobbyschneiderin.net/portal/showthread.php?t=50444
Grüße, bis bald !

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